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Kolumne „Uni live“: Lieben und leiden mit Hannah und Garrett

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Kolumne „Uni live“: Lieben und leiden mit Hannah und Garrett

Sucht euch euren Traummann aus! Von links nach rechts: Antonio Cipriano als John Logan, Stephen Kalyn als Dean Di Laurentis, Jalen Thomas Brooks als John Tucker und Belmont Cameli als Garrett Graham.

„Jetzt wäre es okay, rot zu werden“, flüstert Garrett Hannah ins Ohr und zieht sie auf sein Zimmer. Mein Display knistert bei so viel Spannung. In der ersten Staffel der neuen Amazon-Prime-Serie „Off Campus“, inspiriert von der gleichnamigen Buchreihe, schließen die Hauptfiguren Garrett Graham und Hannah Wells einen Deal: Solange die ehrgeizige Studentin dem erfolgreichen Hockeyspieler Nachhilfe gibt, macht er ihren Crush mit einer Fake-Beziehung eifersüchtig.

Die Serie strotzt vor Klischees: Sport, Partys, Sex sowie durchtrainierte und emotional unerreichbare Männer, die sich erst durch die richtige Frau öffnen. Im Mittelpunkt steht die altbekannte Botschaft: Gegensätze ziehen einander an. Das Konzept ist nicht neu. Schon andere Rom-Coms haben damit Millionen begeistert: „To All the Boys I've Loved Before“ und „Bridgerton“ greifen ähnliche Muster auf. Jeder weiß, wie die Geschichte endet – und trotzdem scheint sie immer wieder zu funktionieren.

Überall auf der Welt wird „Off Campus“ geschaut. Auf Instagram und Tiktok schneiden Fans romantische Szenen zusammen und diskutieren darüber, welcher Hockeyspieler von Grahams Freundesgruppe der attraktivste ist. Graham, Logan, Tucker oder Dean – sucht euch euren Traummann aus. Für jeden Spieler ist eine eigene Staffel geplant. Dabei sorgt Garretts Lapdance-Szene viral für besonders viel Aufmerksamkeit. Der australische Rapper The Kid LAROI griff sie auf und veröffentlichte ein Reel, in dem Belmont Cameli, der Garrett Graham spielt, zu seinem Song „Girls“ tanzt. Jennifer Lopez nahm mit Mika Abdalla ein Video zu dem J.Lo-Tanz aus der Serie auf. Jeder Star möchte etwas von „Off Campus“-Kuchen abhaben.

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Das Studium von Hannah und Garrett spielt dabei nur eine Nebenrolle. Zwar kämpft der beliebte Hockeyspieler neben seinem Training um gute Noten, doch Lernen wirkt in der Serie eher wie eine lästige Pflicht. Zwischen Training, Dates und Partys bleibt dafür nur wenig Zeit. Selbst Shakespeares „Sommernachtstraum“ wird zum Trinkspiel. Aber wer möchte die Bad Boys schon beim Büffeln in der stickigen Bibliothek oder beim schlechten Essen in der Mensa sehen? Diese Traummänner gehören aufs Eis.

Natürlich muss man beim Realitäts-Check zwischen amerikanischen Colleges und deutschen Universitäten unterscheiden. Während der Hochschulsport in Deutschland meist eine Nebenrolle spielt, ist er in den USA ein zentraler Bestandteil des Campuslebens. An meiner Universität in Darmstadt konnte das Fach dagegen nur für das Lehramt belegt werden. Sportstudenten müssen nun schnell abschließen oder sich für ein anderes Fach entscheiden – der Studiengang wird geschlossen. Hobbysportler müssen inzwischen für den Hochschulsport zahlen. Der Fokus liegt bei uns eher auf Hausarbeiten, anstehenden Klausuren und Vorlesungen – in „Off Campus“ spielt all das kaum eine Rolle.

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Vielleicht kommt die Serie gerade deshalb so gut an. Sie zeigt ein Studentenleben, das glamouröser und weniger kompliziert wirkt als die Realität. Wer selbst zwischen Vorlesungen, Nebenjob und Prüfungsphasen jongliert, kann sich für eine kurze Zeit in eine Welt voller Gefühle, Partys, attraktiven Hockeyspielern und Liebesgeschichten flüchten.

Dabei hat das romantisierte Campusleben auch eine ernste Seite. Am Beispiel einer Hauptfigur wird sexuelle Gewalt thematisiert: Hannah wurde während ihrer Highschool-Zeit unter Drogen gesetzt und missbraucht. Die Serie spiegelt dieses Trauma in ihrem Verhalten im Alltag wider. Dabei wird Garretts Verhalten romantisch inszeniert: Er achtet auf ihre Getränke, gibt ihr Raum und Sicherheit, ohne anfangs von ihren Erfahrungen zu wissen. Umgekehrt wird Garretts familiäre Gewaltgeschichte angedeutet, als er mitbekommt, dass sein gewalttätiger Vater seine neue Partnerin misshandelt. Die Serie berührt damit zwar schwere Themen, nutzt sie aber vor allem, um die emotionale Dynamik der Beziehung zu verstärken.

Vielleicht ist die Serie genau das, was wir brauchen: eine Erinnerung daran, dass das Studium nicht nur eine Zeit der finanziellen Nöte, Prüfungsängste und Vorlesungstermine ist, sondern vor allem ein wundervoll chaotischer Lebensabschnitt, an den man noch lange zurückdenkt.

Erst vor Kurzem hat mich ein Freund daran erinnert. Als „Corona-Studentin“, die während der Pandemie mit dem Studium begonnen hat, war ich während der ersten Semester einsam. Damals konzentrierte ich mich nur auf Noten und Vorlesungen – Bekanntschaften konnte ich über Zoom kaum schließen. Erst kurz nach der Öffnung lernte ich meinen heutigen besten Freund kennen. Er lebt mit seiner WG genau das Leben, das in vielen Büchern und Filmen romantisiert wird: viele Hauspartys, ein großes soziales Umfeld und ständig neue Menschen. Er hat mich, obwohl ich mich anfangs oft dagegen gewehrt habe, immer wieder auf Partys mitgenommen und mir neue Leute vorgestellt. Und auch wenn ich dabei leider nie meinen eigenen Garrett Graham kennengelernt habe, würde ich die oft peinlichen Erfahrungen beim Pingpong-Spielen oder die tiefsinnigen, unter Alkohol geführten Gespräche mit Fremden niemals missen wollen. Für die Einführung in diese Parallelwelt bin ich ihm unglaublich dankbar.

Wenn ich auch vieles an der Serie albern finde, hat mich die „Off Campus“-Romantik dennoch in ihren Bann gezogen. Ich genieße es, abends regelmäßig auf der Couch dem Liebesdrama zuzusehen, und scrolle gern stundenlang durch den viralen Trend. Dabei habe ich natürlich auch meinen Liebling: Ich bin Team Logan.


Source: Frankfurter Allgemeine — This article was automatically imported from the source. Read full article at original source →

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Originally published by Frankfurter Allgemeine faz.net
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