
Da sitzt er wie in einem Reihengrab. Ein Meter lang, vierzig Zentimeter breit ist die Mulde im Gras und gerade so tief, dass er es bequem hat. Etwas zu knapp für einen Sarg, aber gut zum aufrecht Sitzen. Außerdem soll es nicht ums Begraben gehen, sondern darum, länger zu leben. Oder zumindest darum, sich in den mehr Jahren, die er haben wird, besserer Gesundheit zu erfreuen. „Man kann nur sitzen und gucken, den Vögelchen zuhören. Das beruhigt“, sagt Hubert Stähle. Der frühere Hornist des WDR-Sinfonieorchesters ist von Hals bis Fuß mit Lehm bedeckt. Oben ein grünes Cap als Sonnenschutz, sonst nur Haut.
Zwei Schubkarren voll hat er auf sich geladen, 20 Liter Wasser drauf, rund eine Dreiviertelstunde sitzen bleiben – ein bis zweimal am Tag. Seit Anfang des Jahrtausends macht er so einen Lehmbade-Urlaub mindestens einmal im Jahr, mal zehn, mal vierzehn Tage lang. Gucken, hören, bekömmlich essen und bewundern, wie alt hier alle um ihn herum werden. In Sichtweite eine Handvoll Gästehäuser, Balkone mit Streuobstwiesenblick, ein grüner Park, Fitness, Saunahütte, außerhalb des Hotelgeländes der Fluss Nahe mit seinen Weinbergen. „Beim Rumsitzen kommt viel raus, was sonst unter der Decke bleibt“, sagt Stähle.
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