
218 Milliarden Dollar: So viel Kapital haben die großen Tech-Konzerne wie Amazon, Google und Microsoft nach Berechnungen von Barclays Research allein im laufenden Jahr bei Anleiheinvestoren eingesammelt. Damit ist das Volumen der von US-Hyperscalern begebenen Zinspapiere schon jetzt mehr als doppelt so hoch wie im gesamten Vorjahr.
Es ist eine tektonische Verschiebung am Markt für Unternehmensanleihen: Noch vor wenigen Jahren kamen die großen Tech-Konzerne weitgehend ohne Schulden aus. Doch die Milliardeninvestitionen in Rechenzentren und Hochleistungschips haben sie in kürzester Zeit zu den aktivsten Emittenten am Anleihemarkt aufsteigen lassen.
Inzwischen mehren sich jedoch die Anzeichen, dass die Investorennachfrage schwächelt. Der riskante Schuldenboom der US-Tech-Konzerne bringt den Bondmarkt zunehmend an seine Grenze. Besonders für Anleger in Anleihe-ETFs kann diese Entwicklung zum Risiko werden.
Die Anleihestrategen von Barclays warnen, der Markt für Anleihen von Unternehmen mit einer guten Bonität, einem sogenannten Investmentgrade-Rating, stehe vor einem Wendepunkt. Die Hyperscaler und andere Emittenten mit KI-Bezug machten einen immer höheren Anteil des Gesamtmarktes aus.
Grund dafür ist eine dem Anleihemarkt eigene Dynamik: Die Gewichtung eines Emittenten innerhalb eines Anleiheindexes hängt zu einem Großteil vom Volumen der ausstehenden Zinspapiere ab. Wer mehr Schulden aufgenommen hat, erhält ein größeres Gewicht im Index.
Wer also in einen Anleihe-ETF investiert, der den Markt für Investmentgrade-Unternehmensanleihen eins zu eins abbildet, erhöht automatisch sein Engagement bei den immer höher verschuldeten Tech-Konzernen. Das könnte jedoch Rendite kosten, schreiben die Analysten von Barclays. Sie raten Anleiheinvestoren dazu, den Technologiesektor geringer zu gewichten.
So mehren sich die Anzeichen für eine Nachfrageschwäche bei Tech-Anleihen. War eine Neuemission von Google im Frühjahr 2025 noch siebenfach überzeichnet, schaffte Amazon im Sommer 2026 nur eine 1,5-fache Überzeichnung des angepeilten Volumens.
Die Zurückhaltung hat einen Grund: „Die Neuemissionen der Hyperscaler haben sich kürzlich erstmals schlechter entwickelt als der Gesamtmarkt“, schreiben die Barclays-Experten.
Besonders für lang laufende Anleihen verlangen die Investoren inzwischen hohe Risikoprämien. Der Renditeaufschlag auf sichere Staatspapiere für Tech-Anleihen mit einer Laufzeit von mehr als zehn Jahren liegt inzwischen über dem durchschnittlichen Renditeaufschlag für Unternehmensanleihen mit Zweifach-B-Rating, ergo: Ramschanleihen.
Gleichzeitig steigen die Prämien für sogenannte „Credit Default Swaps“ (CDS). Mit diesen Finanzinstrumenten können sich Investoren gegen einen Zahlungsausfall von Anleihen absichern. Steigende CDS-Prämien bedeuten daher, dass Investoren bereit sind, mehr Geld für eine Versicherung gegen den Zahlungsausfall einer Tech-Anleihe zu zahlen.
Die Barclays-Experten befürchten Auswirkungen auf den gesamten Markt für Unternehmensanleihen, sollte der Schuldenboom der Tech-Konzerne anhalten. „Der Markt wird mehr Kapital für Hyperscaler bereitstellen müssen, wodurch für andere Emittenten weniger zur Verfügung steht.“
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