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Maybach: Preissenkungen sind „nicht unser Anspruch“ – Mercedes-Nobelmarke rechnet kaum mit Wachstum

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Maybach: Preissenkungen sind „nicht unser Anspruch“ – Mercedes-Nobelmarke rechnet kaum mit Wachstum

Marseilles. Angesichts der Schwäche in China erwartet der Autobauer Mercedes-Benz bei seiner Luxusmarke Maybach vorerst kaum Wachstum. Vergangenes Jahr lieferte Maybach nur gut 20.000 Einheiten aus – fast 30 Prozent weniger als die 28.000 Fahrzeuge im Rekordjahr 2023.

Eine Rückkehr zu diesem Wert hält Maybach-Chef Markus Bauer in den kommenden Jahren für unrealistisch. „Dann müssten wir mit den Preisen heruntergehen, und das ist nicht unser Anspruch als Luxusmarke“, sagte Bauer im Gespräch mit dem Handelsblatt. Im ersten Halbjahr schrumpfte der Maybach-Absatz um vier Prozent zum Vorjahreszeitraum auf knapp 9000 Einheiten.

Das liegt am weltgrößten Automarkt China. Angesichts auslaufender Förderungen für Elektroautos und hoher Spritpreise infolge des Irankriegs ist der Markt im Juni den neunten Monat in Folge geschrumpft. Die Zulassungen im Luxussegment in China sind laut Branchenbeobachtern in den vergangenen Monaten prozentual zweistellig rückläufig.

Mercedes-Insider hegen starke Zweifel, dass der Luxusmarkt in China auf das frühere Niveau zurückkehrt. In den nächsten drei bis fünf Jahren sei für Maybach dort kein großes Wachstum zu erwarten, heißt es im Unternehmensumfeld. Daher seien deutlich mehr als 20.000 Einheiten in den kommenden Jahren kaum zu erreichen. Bauer wollte keine Absatzziele nennen.

Die Schwäche in China trifft Maybach stärker als den Gesamtkonzern. Dort erzielt die Nobelmarke mehr als 60 Prozent ihres Absatzes. Der China-Anteil am gesamten Pkw-Geschäft von Mercedes liegt bei 25 Prozent.

Für den schwäbischen Konzern mit seinen insgesamt 1,8 Millionen verkauften Autos ist Maybach elementar. Obwohl der Maybach-Absatz nur bei 20.000 Einheiten liegt, liefert die Nobelmarke einen gewichtigen Beitrag zum Konzerngewinn. Analysten schätzen die Marge der Luxusmarke auf jenseits der 30 Prozent.

Über den Begriff Luxus hatte es bei Mercedes in den vergangenen Jahren viele Diskussionen gegeben. 2022 wollte Konzernchef Ola Källenius Mercedes als Luxusmarke positionieren. Die Verkaufspreise sollten steigen, Einstiegsmodelle aus dem Portfolio verschwinden. Doch das Vorhaben scheiterte an den Marktrealitäten. Statt Luxus will Mercedes nun Premiumfahrzeuge in allen Preisklassen bauen. So arbeitet der Konzern an einem Nachfolger für das Einstiegsmodell A-Klasse.

Maybach-Chef Bauer sagt: „Die Konzernstrategie wird kontinuierlich weiterentwickelt, aber Maybach ist und bleibt klar im Luxussegment positioniert.“ Um die Wachstumsziele zu erreichen, sei Maybach ein wesentlicher Faktor.

In der Tat spielen Oberklassefahrzeuge, wozu neben Maybach-Modellen auch AMG-Sportwagen und der Geländewagen G-Klasse zählen, nach wie vor eine übergeordnete Rolle. Dieses sogenannte Top-End-Segment soll mittelfristig, also bis 2028/29, überproportional um 15 Prozent auf 300.000 Fahrzeuge wachsen. Bis dahin will Mercedes im Pkw-Geschäft eine Marge zwischen acht und zehn Prozent erreichen. Aktuell liegt diese bei nur 4,1 Prozent.

Damit die Wachstumshoffnungen aufgehen, muss Maybach liefern. An diesem Dienstag hat der Konzern die Maybach-Variante des im Frühjahr vorgestellten überarbeiteten Groß-SUVs GLS vorgestellt.

Im Innenraum sollen exklusive Materialien wie Leder oder hölzerne Zierelemente sowie Funktionen wie Wadenmassagen ein edles Ambiente und Komfort bieten. So ist zwischen den Rücksitzen ein Kühlfach mit Glasfront und Champagnergläsern untergebracht. Mit einer Länge von über 5,20 Metern haben die Passagiere viel Platz.

Mit einem Achtzylindermotor und einer neuen Luftfederung verspricht Mercedes „erhabenen Fahrkomfort“. Wie alle neuen Modelle hat auch der Maybach GLS eine Glasfront, die sich über das gesamte Cockpit zieht. Darüber kann die neue Mercedes-Software bedient werden. Von außen fallen die für Maybach typische Zweifarbenlackierung und erstmals der leuchtende Markenname auf der Motorhaube auf.

Das neue Modell ist in China bestellbar, in den USA und Europa ist das ab Ende Juli möglich. Der Preis in Deutschland soll ab etwa 200.000 Euro starten. Der reguläre GLS kostet rund 108.000 Euro. „Wir rechnen vor allem mit einer Nachfrage in den USA, aber auch in China“, sagt Bauer. Gebaut wird das Fahrzeug im US-Werk Tuscaloosa.

Schon im Frühjahr hatte Mercedes eine überarbeitete Version der Luxuslimousine S-Klasse sowie eine neue Maybach-Version präsentiert. Die Maybach S-Klasse ist das wichtigste Modell, macht mehr als die Hälfte des Absatzes der Nobelmarke aus.

Die Auftragsbücher für die S-Klasse seien gut gefüllt, teilt der Konzern mit. Allerdings läuft die Produktion im Werk Sindelfingen wie schon seit knapp zwei Jahren weiter im Ein-Schicht-Betrieb. Ursprünglich hatte Mercedes angedacht, diesen Sommer wieder auf zwei Schichten zu gehen.

Das soll nach Informationen aus Konzernkreisen vor allem an fehlenden Komponenten eines Zulieferers liegen, die die Produktion verzögern würden. Die Probleme sollten aber bald gelöst sein, heißt es. Dennoch dürfte die Extraschicht mangels Nachfrage auf absehbare Zeit nicht zurückkommen. Etwa durch zusätzliche Samstagsarbeit lasse sich die Produktion effizienter anpassen als durch eine weitere Schicht.

„Wir sind überzeugt, dass wir mit der neuen Generation der Fahrzeuge zu einem Wachstum für den Konzern beitragen können“, sagt Bauer. Gegen Ende des Jahres und 2027 werde man Effekte im Absatz sehen. „Das Luxussegment ist stärker von Produktneuerungen abhängig als das reguläre Pkw-Geschäft“, sagt Bauer.

Neben der S-Klasse und dem GLS wird Maybach auch eine eigene Version des VLS auf den Markt bringen. Im Frühjahr hatte Mercedes die Großraumlimousine VLE vorgestellt. Wohl noch in diesem Jahr dürfte Mercedes mit dem VLS eine luxuriösere Variante präsentieren. Diese wird es dann auch in einer speziellen Maybach-Version geben. „Maybach-Kunden möchten Handwerkskunst sehen, Materialien fühlen und Platz haben“, sagt Bauer. Das passe zum VLS.

Maybach hat weiterhin das Cabrio SL und das Elektro-SUV EQS im Portfolio. Das E-Auto ist allerdings ein Ladenhüter. In China wurde das Modell laut Datendienst Marklines dieses Jahr keine 20-mal zugelassen.

„Wir sehen in China, dass batterieelektrische Autos aktuell geringere Restwerte haben als Verbrennerfahrzeuge“, sagt Bauer. „Das ist sicher ein Grund, warum sich viele Luxuskunden aktuell nicht für ein reines Elektroauto entscheiden.“ Künftig erwartet der Manager aber mehr elektrische Luxuswagen.

Die Zukunft von Maybach entscheidet sich in China. Dort hätten bereits viele vermögende Kunden in den vergangenen Jahren ein Luxusfahrzeug gekauft, erklärt Maybach-Chef Bauer. Diese seien angesichts der globalen Unsicherheiten mit weiteren Luxusanschaffungen zurückhaltend. Mercedes ist im Preissegment über eine Million Yuan (etwa 130.000 Euro) Marktführer in China.

Im Luxussegment muss es der Konzern verstärkt mit neuen lokalen Wettbewerbern aufnehmen. Als absatzstark gilt der Maextro S800, der in einer Kooperation des Autobauers JAC mit dem Tech-Konzern Huawei entstand. Dieser verkaufte sich dieses Jahr bis Ende Mai in China laut Marklines mehr als 6000-mal. Maybach kommt auf 3700 Einheiten.

Analyst Horst Schneider von der Bank of America sagt: „Kunden in China greifen auch aus geopolitischen Gründen immer stärker zu lokalen Luxusmarken. Die Fahrzeuge sind technisch auch gut und deutlich günstiger als Luxusautos aus Deutschland.“

Selbst im Luxussegment gewähren viele Autobauer in China hohe Preisnachlässe und verdienen kein Geld. Mercedes kann sich der Entwicklung nicht entziehen, räumt nach eigenem Bekunden aber geringere Rabatte ein. „Wir haben in China nicht die Bestrebung, preislich so stark nach unten zu gehen“, sagt Bauer. Das verwässere die Marke.

„Mein Anspruch ist, die Marktführerschaft zu behalten, und zwar ohne Preisdumping zu betreiben“, sagt Bauer, der zwischen 2021 und 2025 leitender Produktmanager von Mercedes in Peking war. In China werde es auch künftig einen Luxusmarkt von relevanter Größe geben.

Nach China sind die USA der wichtigste Markt. Zu weiteren großen Maybach-Märkten zählen Südkorea, Indien, Deutschland, Japan und die Golfstaaten. Der Nahe Osten gilt als besonders margenstark. Infolge des Irankriegs ist das Geschäft von Mercedes und Wettbewerbern aber nahezu zum Erliegen gekommen. Mittlerweile haben die Konzerne andere Lieferwege gefunden.

„Der Markt im Nahen Osten hat enormes Potenzial, wenn Frieden herrscht“, sagt Maybach-Manager Bauer. „Wir sind zuversichtlich, dass wir wieder auf das vorherige Niveau kommen können, wenn sich die Situation stabilisiert.“

Weltweit dehnt Mercedes sein Personalisierungsprogramm aus. Luxuskunden fragen nach maßgeschneiderten Autos, um sich unterscheiden zu können. Unter dem Namen Manufaktur können Kunden bei Mercedes individuelle Lacke und Interieurfarben bestellen. Über 150 Lackfarben und mehr als 400 fürs Interieur stehen zur Verfügung. Kunden können sich auch zum Beispiel das Familienwappen auf die Sitze nähen, einen Zigarrenhalter einbauen oder sich den Dachhimmel nach eigenen Vorstellungen zusammenfügen lassen.

90 Prozent der verkauften Maybach-Fahrzeuge haben mindestens ein individualisiertes Bauteil. „Wir haben gerade eine höhere Nachfrage nach Manufaktur-Angeboten, als wir bedienen können“, sagt Bauer. Deswegen wolle er die Individualisierung ausbauen.

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Originally published by Handelsblatt handelsblatt.com
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